Nachlese: 8. TICT-Talk
Nachhaltige Mobilität im Tourismus: Vom Konzept zur Umsetzung
Nachbericht zum 8. TICT-Talk
Nachhaltige Mobilität entwickelt sich im Tourismus zunehmend von einem Umwelt- oder Image-Thema zu einer zentralen Standortfrage für Destinationen. Genau diesem Spannungsfeld widmete sich der 8. TICT-Talk des Travel Industry Club Tourismus, der sich mit der Frage beschäftigte, wie klimafreundliche Anreise, touristische Wertschöpfung und funktionierende Mobilitätssysteme zusammengebracht werden können.
Aufzeichnung auf YouTube ansehen
Zu Beginn gab Anna Kodek von den Naturfreunden Internationale einen Einblick in aktuelle Praxisbeispiele und Initiativen im Bereich nachhaltiger Tourismusmobilität. Dabei wurde deutlich, dass zahlreiche Projekte und Lösungsansätze existieren, ihre Umsetzung jedoch häufig an strukturellen Fragen scheitert – etwa an Governance-Strukturen, Finanzierung oder fehlender Koordination zwischen den beteiligten Akteuren.
- Download der Präsentation von Anna Kodek
Im anschließenden Expertengespräch diskutierten Martin Heppner (Bahn zum Berg / Zuugle) und Lorenz Aschauer (ÖBB 360°) zentrale Herausforderungen und Lösungsansätze. Ein wiederkehrendes Thema war die sogenannte erste und letzte Meile, also die Frage, wie Gäste vom Bahnhof oder Verkehrsknotenpunkt tatsächlich zu ihrem Urlaubsort gelangen. In der Diskussion wurde deutlich, dass dieses Problem oft weniger technischer Natur ist, sondern vielmehr organisatorische und strukturelle Ursachen hat.
- Download der Präsentation von Lorenz Aschauer
- Download der Präsentation von Martin Heppner
Auch die Rolle digitaler Plattformen wurde thematisiert. Zwar bieten Mobilitätsapps und integrierte Plattformlösungen neue Möglichkeiten, unterschiedliche Verkehrssysteme zu verknüpfen. Gleichzeitig zeigte sich aber, dass Technologie allein selten die entscheidende Hürde darstellt – häufig liegt die größere Herausforderung in der Abstimmung zwischen Destinationen, Verkehrsträgern, Betrieben und öffentlichen Institutionen.
Ein weiterer Diskussionspunkt war die wirtschaftliche Tragfähigkeit touristischer Mobilitätssysteme. Die Experten waren sich einig, dass nachhaltige Mobilitätslösungen im Tourismus meist nur dann funktionieren, wenn sie als gemeinsames System gedacht werden und verschiedene Akteure Verantwortung übernehmen – von Tourismusorganisationen über Gemeinden bis hin zu Betrieben.
Mit Blick in die Zukunft wurde deutlich, dass integrierte Mobilitätssysteme, digitale Vernetzung und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Verkehr zentrale Erfolgsfaktoren sein werden. Nachhaltige Mobilität im Tourismus wird damit zunehmend zu einer strategischen Gemeinschaftsaufgabe von Destinationen, Infrastrukturbetreibern und touristischen Leistungsträgern.
Der TICT-Talk bot damit nicht nur Einblicke in aktuelle Projekte und Lösungsansätze, sondern auch eine klare Botschaft: Nachhaltige Mobilität ist weniger eine Frage einzelner Technologien, sondern vor allem eine Frage von Kooperation, Organisation und langfristiger Destinationsentwicklung.
Anna Kodek engagiert sich bei der Naturfreunde Internationale, dem Dachverband der internationalen Naturfreundebewegung, für nachhaltigen Tourismus. Der Arbeitsbereich „respect“ setzt sich für einen fairen, ökologisch verträglichen und zukunftsfähigen Tourismus im Einklang mit den Zielen der Agenda 2030 ein. Die Tätigkeit von respect umfasst vor allem Informations- und Bildungsarbeit, etwa durch Publikationen, Workshops, Veranstaltungen und Kooperationen mit Partner*innen. Ziel ist es, Bewusstsein für verantwortungsvolles Reisen zu schaffen und konkrete Impulse zu geben.
Martin Heppner (martin.heppner@bahn-zum-berg.at) ist der Visionär hinter „Bahn zum Berg“ und Experte für die Digitalisierung nachhaltiger Mobilität. Mit seinem Verein schafft er Lösungen, die Bergsport und öffentlichen Verkehr nahtlos verbinden. Die zugrunde liegende Technologie zur automatisierten Verknüpfung von Freizeit-Content und Mobilitätsdaten wurde stetig verfeinert und findet heute über die „Zuugle Services GmbH“ auch im kommerziellen Bereich Anwendung. So unterstützt er Tourismusbetriebe dabei, die An- und Abreise ihrer Gäste durch intelligente Lösungen stressfrei und nachhaltig zu gestalten.
Lorenz Aschauer (lorenz.aschauer@pv.oebb.at) ist erfahrener Mobilitätsexperte mit über neun Jahren Produkt- und Customer-Experience-Erfahrung in der Branche. Als Senior Spezialist für integrierte Mobilität bei ÖBB 360° verantwortet er die Entwicklung und Umsetzung innovativer Mobilitätsstrategien sowie das Management von Mobility-as-a-Service-Projekten. In seiner Rolle berät er Gemeinden, Tourismusorganisationen sowie Unternehmen und hat zahlreiche erfolgreiche Mobilitätssysteme mit aufgebaut.
Für alle, die den Talk verpasst haben oder ihn noch einmal ansehen möchten, steht die Aufzeichnung auf unserem YouTube-Kanal zur Verfügung.
Kontakt
Noch Fragen zum Travel Industry Club Tourismus oder unserer Mitgliedschaft? Wir sind für Sie da.
+43 (0) 676 421 12 03
office@club-tourismus.org
Wehlistraße 35-43/5/3
1200 Wien